Robo Adviser – FAQ

Robo Adviser – FAQ

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Robo Adviser  – FAQ

1. Was sind Robo Adviser?

Hinter dem futuristischen Namen Robo Adviser verbir
gt sich ein neuer Trend in der Anlageberatung. Mit Hilfe eines Online-Computerprogramms werden in wenigen Momenten Portfoliostrategien zusammengestellt. Diese sind weit günstiger als das Angebot klassischer Investmentberater. Ein Angebot, welches besonders für Privatanleger mit kleineren Vermögen interessant erscheint.

2. Wie funktionieren Robo Adviser?

Robot Adviser ist auf der Basis von Algorithmus(http://de.wikipedia.org/wiki/Algorithmus) aufgebaut, der mit wenigen Angaben ein Portfolio für den Nutzer zusammenstellt. Abgefragt werden Alter, Einkommen, die Anlagesumme, Gewinnerwartung und die Risikobereitschaft des Anlegers. Innerhalb weniger Sekunden kalkuliert das Programm ein Portfolio aus kostengünstigen ETF ́s (Exchange Traded Funds) und Indexfonds.

3. Was sind die Vorteile der Robo Adviser?

Die Robo Adviser zeichnen sich durch ihre Einfachheit und günstige Kostenstruktur aus. Es sind keine stundenlangen Gespräche mit dem Bankberater notwendig, in denen dieser seine Kompetenz durch das Verwenden möglichst vieler Fachausdrücke unterstreicht. Keine teuren Produkte, an denen der Berater mehr verdient, werden empfohlen und auch die Gebühren sind weit günstiger als beim traditionellen Berater.

4. Sind Robo Adviser günstiger?

Der grösste Nachteil der traditionellen Vermögensverwaltung sind ihre hohen Gebühren von 1% und weitere(mehr?). Dabei wird der Einfluss der Kosten auf das Nettoresultat von den meisten Kunden unterschätzt. Hier sind die neuen Robo-Angebote ganz klar im Vorteil. So verlangen zum Beispiel die Schweizer Anbieter TrueWealth mit 0.5% oder Investomat der GLKB mit 0.6% an jährlichen Gebühren deutlich weniger als klassische Anbieter.
Im internationalen Bereich sind die Gebühren noch tiefer, zwischen 0,25 % und 0,4 %. Die Kosten-Vorteile schätzt auch der Internet-Unternehmer und Fintech-Investor Marc P. Bernegger als markant ein: «Durch die schlanken Strukturen sind Robo-Advisors in der Lage, auf der passiven Investment-Seite vergleichbare Services wie traditionelle Privatbanken zu einem Bruchteil der Kosten anzubieten. (www.moneyland.ch/de/robo-advisors-vermoegensverwalter)

5. Gibt es auch Nachteile der Robo-Adviser?

Die mangelnde Beratung bei den Robo Advisern ist einer der grossen Nachteile. Der Nutzer macht die Angaben zu seinem Vermögen und seiner Risikobereitschaft selbstständig. Hier liegt eine der Schwachstellen und grosse Gefahr für die Anleger. Ein Robo Adviser hinterfragt die finanzielle, berufliche und familiäre Situation nicht. Ein guter Anlageberater wird Fragen nach Belastungen auf Immobilien, Ausbildungsrücklagen für die Kinder, abgeschlossene Versicherungen und weiteres in eine Beratung miteinbeziehen und so einen ausgewogenen Mix aus verschiedenen Anlageoptionen erstellen. Alle äusseren Umstände werden bei Robo Advisern nicht hinterfragt oder geprüft und es wird nur in ETF’s und Indexfonds investiert. Ein weiterer Nachteil der Robo Adviser ist die Risikoeinschätzung, die vom Anleger selbst vorzunehmen ist. Anleger neigen dazu, in positiven Börsenphasen höhere Risiken einzugehen als das finanzielle Polster zulässt und bei rückläufigen Kursen zu übertriebener Vorsicht (www.kalypsopartners.ch/marktverhalten.htm). Nur wer sein Risiko wirklich gut kalkulieren kann und auch in Abwärtsbewegungen dem System das Vertrauen nicht entzieht hat eine Chance mit einem Robo Adviser auf die Erfolgsspur zu kommen.

6. Sind Robo Adviser für jeden geeignet?

Robo Adviser sind sicherlich nicht für jeden Anlegertyp geeignet. Die Zielgruppe wird sich zunächst computeraffine Anleger beschränken, welche dem klassischen Bankberater kritisch gegenüberstehen. Die Robo Adviser müssen sich erst langfristig am Markt beweisen, bevor eine grössere Anzahl Anleger diese als Alternative in Betracht ziehen wird.

7. Gibt es langfristige Tests für Robo-Adviser?

Es gibt keine langfristigen Tests für Robo Adviser. Auch wenn alle Anbieter von Robo Adviser damit werben, die Systeme getestet sind und im Testzeitraum eine gute Performance erzielt haben, sind diese Angaben noch mit Vorsicht zu geniessen. Da Robo Adviser noch recht neu sind, gibt es keine belastbaren Langzeitergebnisse. Besonders kritisch ist zu bewerten, dass die Robo Adviser nur in den letzten, sehr guten Börsenjahren getestet wurden. Wie sich die Performance bei starken Kurseinbrüchen wie 2008 oder 2011 entwickelt ist noch nicht absehbar.

8. Ist Zeitersparnis ein grosser Vorteil von Robo Advisern?

Die neuen digitalen Vermögensverwalter sollen wie auch die traditionellen Vermögensverwalter möglichst viel Aufwand abnehmen. Als Vermögensverwaltungs-Kunde möchte man sich schliesslich möglichst wenig mit Finanzfragen und administrativen Aufgaben auseinandersetzen. Für alle, die selbständig Investments tätigen möchten, gibt es schliesslich bereits etablierte Online-Trading-Portale. Das bedingt zum einen, dass die Online-Plattform möglichst einfach und gut verständlich funktioniert. Zum anderen muss der Online-Vermögensverwalter nicht nur ein Monitoring anbieten, sondern zugleich auch die Ausführung der Anlagevorschläge sowie das Rebalancing automatisch durchführen. Robot-Adviser kann daher viel Zeit ersparen.

9. Wie funktionieren elektronische Vermögensverwalter?

In einem ersten Schritt werden einige Angaben vom Nutzer verlangt, die zur Erstellung seines Kundenprofils inklusive Risikoprofil, also der Risikotoleranz und Risikofähigkeit, benötigt werden. Hier ist der Prozess im Wesentlichen derselbe wie beim traditionellen Anlageberater, findet aber einfach am Bildschirm statt. In einem zweiten Schritt wird auf der Basis des Risikoprofils und allfälliger individueller Wünsche automatisch ein Portfolio auf der Basis von kostengünstigen «passiven» ETF-Produkten erstellt. Traditionelle Vermögensverwalter hingegen investieren häufig «aktiv» auf der Basis von ausgewählten Einzelprodukten.
In einem dritten Schritt werden die erstellen Portfolios laufend überwacht und der neuen Marktlage angepasst. Hier ist der Automatisierungsgrad im Unterschied zum traditionellen Vermögensverwalter in der Regel höher. Im Fall der Online-Vermögensverwalter werden die Portfolios über kooperierende Banken oder Online-Broker auch tatsächlich umgesetzt und gekauft. Reine Online-Anlageberater erstellen hingegen nur die Anlagevorschläge, wobei der Kunde selbst für die Umsetzung zuständig ist. Das Ziel der Online-Vermögensverwaltung ist es, möglichst viele Vorteile der traditionellen standardisierten Vermögensverwaltung zu erhalten und gleichzeitig deren grössten Nachteile zu reduzieren. Online-Vermögensverwalter verlangen in der Regel für Konto- und Depotführung sowie Transaktionen keine zusätzlichen Gebühren. Auch Retrozessionen sind nicht verbreitet. Robo Advisors leben also in erster Linie von der verlangten Verwaltungsgebühr. Aufgrund der geringeren Gebühren verlangt das Geschäftsmodell wie auch bei anderen Internet-Modellen ein höheres Kundenvolumen zur Erreichung der Rentabilität.

10. Braucht es Finanz-Expertise?

Die Dienstleistungen eines Vermögensverwalters nimmt man nur in Anspruch, wenn man von seiner Expertise in Geldfragen überzeugt ist. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass passive Anlagestrategien gegenüber aktiven Methoden längerfristig vorzuziehen sind. Bezüglich Produktpalette sind die passiv investierenden Online-Vermögensverwalter den vorwiegend aktiv wirtschaftenden traditionellen Anbietern also überlegen. Im Fall der Anlageaufteilung allerdings kommen auch passive Anleger nicht um aktive Entscheidungen herum. Hier ist auch beim Online-Vermögensverwalter entscheidend, wie fundiert die Anlageentscheidungen für die jeweiligen Risikoprofile der Kunden sind. Dabei werden immer mehr der Entscheidungen im Fall von Online-Vermögensverwaltern von automatisierten Algorithmen gefällt. Man spricht deshalb auch von Robo Advisor oder Algo Banking.

11. Was sind die Vorteile von integrierten Angeboten?

Vermögensverwalter verfügen im Idealfall nicht nur über eine Anlagekompetenz, sondern sind auch Ansprechpersonen für eine Reihe von weiteren Finanzfragen. Dazu können zum Beispiel Steuerangelegenheiten gehören. Auch persönliche Spezialwünsche der Kunden werden im Rahmen der so genannten individuellen Vermögensverwaltung berücksichtigt. Hier können die meisten Online-Vermögensverwalter ihren traditionellen Wettbewerbern noch nicht das Wasser reichen, zumal die Beratung aus Kostengründen auf ein Minimum reduziert wird. Allerdings bieten auch Banken ihre individuellen Services nur sehr reichen Kunden an. Die übrigen Kunden müssen mit einer standardisierten Vermögensverwaltung vorlieb nehmen.

12. Warum sind aktuelle Informationen in Geldfragen wichtig?

Der Kunde von heute möchte zwar möglichst wenig Zeit mit Geldfragen „verschwenden“, aber trotzdem jederzeit informiert sein. Mit dem Siegeszug der Smartphones muss der moderne Vermögensverwalter jederzeit auch mobile präsent sein. Die eigenen Portfolios sollten allzeit auf dem aktuellsten Stand einzusehen und verschiedene Alerts abonnierbar sein. Auch traditionelle Vermögensverwalter bieten vermehrt Online- und Mobile-Lösungen, mittels spezialisierter Software, an. Trotzdem sind Online-Vermögensverwalter bezüglich Informationsverarbeitung als digitale Vorreiter grundsätzlich im Vorteil.
(28. Mai 2015, P. Müller, P. Hary)

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